Das Lilienhähnchen – kein Vogel, sondern ein zirpender Käfer

Hebt man ein Lilienhähnchen vorsichtig auf, passiert etwas Unerwartetes: Der kleine Käfer fängt an zu zirpen. Ein feines, quietschendes Geräusch, das er mit dem Hinterleib erzeugt, um Angreifer zu erschrecken. Genau diesem Laut verdankt er den putzigen zweiten Teil seines Namens – das „Hähnchen“, das nichts mit Geflügel zu tun hat, sondern mit dem Krähen …

Das Reh – warum es nicht die Frau vom Hirsch ist

Halten wir gleich zu Beginn einen der zählebigsten Irrtümer der heimischen Tierwelt fest: Das Reh ist nicht das Weibchen des Hirsches. „Bambi“ wird kein Hirsch, wenn er erwachsen wird. Reh und Rothirsch sind zwei völlig verschiedene Tierarten – und kurioserweise nicht einmal besonders nah verwandt. Das Reh (Capreolus capreolus) zählt zu den sogenannten Trughirschen und …

Die Kornblume – das Blau, das mit dem Getreide kam

Wenn der Klatschmohn das Rot der Sommerfelder ist, dann ist die Kornblume ihr Blau. Kein gewöhnliches Blau, sondern dieses reine, fast leuchtende „Kornblumenblau“, für das es ein eigenes Wort gibt. Früher gehörten beide untrennbar zusammen – rote Mohnblüten und blaue Kornblumen im wogenden Getreide, ein Bild, das ganze Generationen von Malern und Dichtern beschäftigt hat. …

Die weiße Seerose – vollkommene Schönheit auf dem Wasser

Die Weiße Seerose (Nymphaea alba) ist eine vollkommene Schönheit. Kaum ein Motiv steht so sehr für stille Sommertage am Wasser. Hinter der makellosen Blüte steckt ein erstaunlich raffiniertes Lebewesen – und ein Stück streng geschützter Wildnis, das man leicht für Gartendeko hält. Ein Bauwerk aus Schwimmblättern Was an der Oberfläche schwimmt, ist nur der sichtbare …

Der Klatschmohn – rote Tupfen in Sommerfeldern und -wiesen

Es gibt dieses eine Rot, an dem das Auge im Sommer einfach hängenbleibt. Ein Feldrand, ein Bahndamm, eine Brachfläche – und mittendrin dieses seidige, fast unwirklich leuchtende Rot, das im Wind zittert. Der Klatschmohn (*Papaver rhoeas*) gehört zu den Pflanzen, die eigentlich jeder kennt. Hinter der vertrauten Sommerblume steckt eine erstaunliche Lebensstrategie, ein hartnäckiges Missverständnis …

Der Seeadler – Rückkehr eines Giganten, der noch immer bedroht ist

Seeadler sind für mich immer wieder aufs Neue beeindruckend. Er ist die Majestät der Lüfte, pure Gewalt und Kraft – und irgendwie fast zu groß für einen Vogel: Breite, brettartige Flügel, ein massiger Körper, ein gelber Schnabel wie ein Beil. „Fliegende Tür“ nennen ihn manche, und das ist kaum übertrieben. Der Seeadler ist der größte …

Das Blässhuhn – der streitbare Geselle, den jeder für eine Ente hält

Es gibt wohl kaum einen Wasservogel, den man in Deutschland häufiger sieht – und kaum einen, der so beharrlich verkannt wird. Auf jedem Parkteich, an jedem Baggersee schwimmt es herum: schwarz, kompakt, mit einem leuchtend weißen Fleck auf der Stirn. „Ach, so eine Ente“, denken die meisten und gehen weiter. Natürlich ist das Blässhuhn überhaupt …

Die Rauchschwalbe – Glücksbote zwischen Stall und Sahara

Es gibt Vögel, die man kennt, ohne sie je bewusst betrachtet zu haben. Die Rauchschwalbe ist so einer. Jeder hat sie schon über Wiesen jagen sehen, in halsbrecherischem Flug, dicht über dem Boden, mit diesen schnellen, reißenden Wendungen. Es lohnt sich, einmal genau hinzuschauen, denn dieser elegante Athlet hat einige wirklich interessante Dinge zu bieten. …

Die geheimnisvolle Haselwurz

In feuchten und schattigen Laubwäldern der Mittelgebirge blüht nun die Haselwurz wieder, ein ganz und gar ungewöhnliches Gewächs. Ich fand sie neulich in der Umgebung Jenas. Meist sieht man nur die glänzenden und nierenförmigen Blätter am Boden, denn die Pflanze bildet keine aufrechten Stängel. Abb. 1: Die Haselwurz (Asarum europaeum) wächst in schattigen Laubwäldern. Meist …